Diese Empfehlungen sollten Sie unbedingt beachten

1. Vorwürfe ernst nehmen

Häufig erleben wir, dass Unschuldige die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht ernst nehmen und glauben, mit einer Aussage bei der Polizei die Sache schnell und preiswert zu Ende zu bringen. In der Vernehmung sitzen ihnen dann erfahrene Kriminalbeamte gegenüber, die die Beschuldigten gezielt in Widersprüche verwickeln wollen und einseitig zu Lasten des Beschuldigten ermitteln. Jetzt kann es bereits zu spät sein: Was in der ersten Vernehmung gesagt wird, hat häufig besonderes Gewicht. Wer hier einen unglaubwürdigen Eindruck macht, hat es im weiteren Verfahren schwer.

Das Protokoll der Vernehmung wird von der Polizei geführt. In das Protokoll wird nicht das aufgenommen, was Sie tatsächlich gesagt haben, sondern das, was der Polizeibeamte glaubt, verstanden zu haben. Selbst wenn Sie die Vernehmung abbrechen, weil Sie mit der Niederschrift nicht einverstanden sind oder die Unterschrift unter die Niederschrift verweigern, wird der Polizeibeamte später vor Gericht aussagen, dass Sie genau das, was im Protokoll steht, auch so gesagt haben.

Wir raten Ihnen: Seien Sie vorsichtig. Nehmen Sie die gegen Sie erhobenen Vorwürfe ernst, gerade wenn Sie unschuldig sind.

2. Untersuchungshaft vermeiden

Untersuchungshaft kann nach dem Gesetz angeordnet werden wegen

  • Fluchtgefahr. Diese wird meist aus der Höhe einer vermeintlichen Strafandrohung abgeleitet.
  • Verdunklungsgefahr. Verdunklungsgefahr wird von den Gerichten dann angenommen, wenn der Beschuldigte versucht, auf die angeblich Geschädigte einzuwirken. Vermeiden Sie daher Kontakt mit den angeblichen Geschädigten und jede Beeinflussung. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit ist Aufgabe Ihres Verteidigers und des Gerichts.

Darüber hinaus wird Untersuchungshaft in der Rechtspraxis von Gerichten angeordnet, um Geständnisse vorzubereiten. Ein geflügeltes Wort bei Gerichten und Staatsanwaltschaften ist der Satz: "U-Haft schafft Rechtskraft". Lassen Sie sich nicht von der Androhung der Untersuchungshaft beeindrucken. Bestehen Sie auf Ihr Recht, zunächst mit einem Verteidiger zu sprechen.

3. Schweigen ist Gold

Uns ist aus unserer langjährigen Praxis kein einziger Fall bekannt, in dem ein frühes Geständnis eines unverteidigten Beschuldigten bei der Polizei zu einem Strafnachlass geführt hätte, der die Nachteile des Geständnisses aufwiegt. Häufig werden Taten zugegeben, die niemals hätten bewiesen werden können.

Bedenken Sie: Auch dann, wenn Sie sich etwas zuschulden kommen ließen, ist vor Gericht immer noch Zeit, ein Geständnis abzulegen.

4. Verhalten bei Hausdurchsuchungen

Es gibt praktisch kein Delikt, das so gering wäre, dass keine Hausdurchsuchung angeordnet werden könnte. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Durchführung einer Hausdurchsuchung sind denkbar gering, praktisch genügt jeder einigermaßen begründete Verdacht, um eine Hausdurchsuchung - notfalls auch ohne richterlichen Beschluss - durchzuführen. Die Polizei kommt dabei meist am frühen Morgen, weckt die Beschuldigten, um sie zu überraschen.

Die Hausdurchsuchung wirkt äußerst belastend: Plötzlich dringen fremde Menschen in den Bereich ein, der bisher ausschließlich Ihnen gehörte und den Sie für unantastbar gehalten haben. Viele versuchen jetzt, sich durch Angaben zu entlasten oder die Polizisten davon zu überzeugen, dass sie unschuldig sind. Widerstehen Sie dieser verständlichen Versuchung! Bleiben Sie ruhig. Machen Sie keine Angaben. Bestehen Sie darauf, uns anrufen zu dürfen. Dies darf Ihnen nicht verwehrt werden.

Sie sind nicht verpflichtet, an der Hausdurchsuchung mitzuwirken oder die Polizisten durchs Haus zu führen. Setzen Sie sich auf Ihr Sofa und betrachten Sie das Muster Ihrer Tapete. Machen Sie deutlich, dass Sie keine Angaben zur Sache machen.

5. Kein Kontakt zur Polizei

Die meisten wissen nicht, dass die Polizei ein Erscheinen auf der Dienststelle nicht erzwingen kann. Polizeilichen Ladungen müssen Sie daher keine Folge leisten. Nur die Staatsanwaltschaften und die Gerichte können Ihr Erscheinen erzwingen und weisen auf diese Möglichkeit auch in der Ladung hin.

Wenn Sie eine Ladung von der Polizei erhalten, kontaktieren Sie zunächst Ihren Verteidiger. Mit diesem besprechen Sie dann, ob Sie den Termin ausnahmsweise (in seiner Anwesenheit!) wahrnehmen.

Dies gilt auch, wenn Sie zur erkennungsdienstlichen Behandlung geladen werden. Erkennungsdienstliche Behandlungen werden von der Polizei häufig standardmäßig durchgeführt, auch dann, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.

6. Glaubhaftigkeitsgutachten

Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit eines Zeugen ist grundsätzlich Aufgabe des Gerichts. Allerdings sind Juristen nicht dafür ausgebildet worden, die Glaubhaftigkeit von Zeugen zu beurteilen. Dies ist eine Aufgabe, die psychologische Kenntnisse erfordert. Deshalb sollte man immer darauf dringen, ein Glaubhaftigkeitsgutachten einzuholen. Dies ist vor allem dann erfolgsversprechend, wenn hinsichtlich des (sog. Opfer-) Zeugen besondere Umstände vorliegen:

  1. Psychischen Erkrankungen
  2. hochgradige Medikamentenabhängigkeit, hoher Alkohol- oder Betäubungsmittelkonsum
  3. dauerhafte Erkrankungen wie Epilepsie, Magersucht, Depressionen
  4. schwere Schädelverletzungen, wenn Auswirkungen auf Erinnerungsfähigkeit
  5. kindliche und jugendliche Zeugen
  6. Aussagen von Kindern unter 2 Jahren und 9 Monaten bei der Beurteilung eines dringenden Tatverdachts
  7. besonderes Verhältnis zum Beschuldigten
  8. langer Zeitraum zwischen Tat und Vernehmung, wenn Erinnerungsfähigkeit beeinflusst ist
  9. Zeugenaussage in anderem Verfahren widerlegt, Auffälligkeiten im Aussageverhalten

Wenn von diesen Kriterien drei oder mehr Indizien zusammentreffen, nimmt der Bundesgerichtshof an, dass in der Regel ein Glaubhaftigkeitsgutachten einzuholen ist. Je mehr der oben genannten Problematiken in einer Person zusammentreffen, umso eher muss ein Glaubhaftigkeitsgutachten eingeholt werden.